VALENCIA (ESP)

 

Sonntag Morgen gegen 8 Uhr erreichten wir unseren Liegeplatz Muelle de Poniente in Valencia.
Bereits eine halbe Stunde später begann unser vom Schiff aus gebuchter, 4 Stunden dauernder und € 39,-/Person kostender Ausflug mit der Bezeichnung "Valencia klassisch", der uns einen groben Überblick dieser bezaubernden Stadt vermitteln sollte.

Valencia, im Zentrum einer weiten und fruchtbaren Ebene - la huerta - gelegen, durch die der Fluß Turia fließt, und direkt am Mittelmeer angesiedelt, ist heutzutage mit ca. 850 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Spaniens.
Von den Römern im Jahre 138 v. Chr. gegründet, gab man ihr den Namen Valentia.
Nach der Invasion der Moslems im Jahre 718 erlebte Valencia einen rapiden Aufschwung. Ihren maximalen Ruhm erlangte sie im 9. Jahrhundert, als sie an der Spitze eines Taifakönigreichs stand.
Im Jahre 1238 eroberte König Jaime I. die Stadt für die Christen zurück und erklärte diese zur Hauptstadt des vor kurzem gegründeten Königreichs Valencia, einer der Staaten der Krone von Aragon.
Im 16. Jahrhundert erlebt die Stadt schließlich ihr goldenes Jahrhundert, da sie eine der größten Wirtschaftsmächte des Mittelmeerraumes wird und zusätzlich einen kulturellen Aufschwung mitmacht. Zu dieser Zeit wurden verschiedene Viertel außerhalb der Mauer gegründet und prachtvolle Gebäude, wie zum Beispiel die Lonja, der Palacio de la Generalitat sowie die Kathedrale erbaut.
Im 19. Jahrhundert verursacht die Revitalisierung der Wirtschafts- und Kulturaktivitäten eine große urbanische Umwandlung. Die Stadtmauer wird im Jahre 1865 niedergerissen, um eine Ausbreitung der Stadt möglich zu machen, während die zahlreichen Überschwemmungen durch den Fluß Turia eine Umleitung desselben nach 1957 nötig werden lassen.
Damit hat man mehr als eine Million Quadratmeter Gartenfläche gewonnen. Der ehemalige Flußlauf des Turia ist heute auch Sitz des größten Teils der neuen Freizeit- und Kultureinrichtungen, wie der Palacio de la Musica oder die Ciudad de las Artes y las Ciencias (Stadt der Künste und Wissenschaften), die das heutige Valencia repräsentieren.

Unser Besichtigungsprogramm begann mit einer kurzen Busfahrt auf einem Teil der Formel 1 Rennstrecke zur "Stadt der Künste und Wissenschaften", die sich an einem Ende des alten Flussbetts des Turia befindet. Trotz ihres jungen Alters ist diese bereits zur Hauptattraktion Valencias geworden. Dabei handelt es sich um ein großes Freizeitzentrum, das seinen Besuchern Sehenswertes zu den Themen Kunst, Wissenschaft und Natur bietet. Der Komplex besteht aus mehreren einzelnen Gebäuden, die durch ihre originelle Architektur auffallen, sowie ausgedehnten Parkflächen und Seen. Hauptverantwortlich für das Design des Komplexes ist der Architekt Santiago Calatrava. Als erstes Gebäude der Anlage wurde im April 1998 das L'Hemisferic eingeweiht. Seine Gestalt erinnert an ein großes menschliches Auge, dessen Lieder auf und zu gehen. Um das Gebäude liegt ein künstlich angelegter See. In seinem Inneren sind drei große audiovisuelle Spektakel vereint: ein Planetarium, ein Imax-Kino und ein Laserium. Im November 2000 wurden dann das Museum der Wissenschaften Principe Felipe und der Schattengarten L'Umbracle eingeweiht, der in Form einer 275 m langen Promenade angelegt ist, in deren Mitte sich eine Parkfläche mit Bäumen befindet. Der im Dezember 2002 eingeweihte Ozeanpark L'Oceanografic ist mit seiner Fläche von 110 000 m⊃2; der größte Park dieser Art in ganz Europa. Das jüngste zur Zeit in Betrieb befindliche Gebäude ist der Kunstpalast Palau les Arts, der Sitz eines mit modernster Technologie ausgerüsteten Bühnenhauses ist. Sein Design erinnert an ein auf den Wellen reitendes Schiff. Insgesamt kann man hier nur von einem architektonischen Wunder sprechen, das moderne Kunst und Architektur mit Natur verbindet und so einen fantastischen Freizeitbereich der Stadt bildet.
Nach einer kurzen Busfahrt ins Stadtzentrum starteten wir unseren Spaziergang, der uns ins Marktviertel Barrio del Mercado führte, wo wir gegenüber des Mercado Central die antike Seidenbörse Lonja de la Seda besuchten - ohne Zweifel eines der hervorragendsten Gebäude der bürgerlichen Gotik Europas. Dies und die Tatsache, dass es sich um ein lebendiges und zur Stadt hin offenes Monument handelt, war ausschlaggebend dafür, dass die UNESCO die Lonja im Jahre 1996 zum Patrimonium der Menschheit erklärte. Das Interesse an der Lonja beruht nicht nur auf deren künstlerischer Qualität, sondern auch wegen der nennenswerte Größe des Gebäudes, das ausschließlich dem Handel diente, etwas sehr ungewöhnliches in dieser Epoche. Aber gerade dies wiederspiegelt die Wichtigkeit der Stadt während des 15. und 16. Jahrhunderts, als Valencia zu einer der größten Wirtschaftsmächte des Mittelmeerraumes wurde.
Den Abschluss unserer Stadtbesichtigung bildete die Plaza de la Virgen, das Herz des antiken Valencias. Hier befinden sich die Gebäude der Kathedrale, die Basilica de la Virgen de los Desamparados und der Palacio de la Generalitat, Sitz der autonomen Regierung. Wir besichtigten hier in unserer kurzen Mittagspause die Kathedrale, deren Bau begonnen im Jahre 1262 im gotisch-zisterziensischen Stil, bis zum 18. Jahrhundert dauerte, wodurch der Komplex eine Vielfalt von Stilen aufweist. Der am meisten besuchte Ort ist ohne Zweifel die antike Aula Capitular oder Capilla del Santo Caliz (Kapelle des Heiligen Kelches), denn dort befindet sich dieser angesehene Schatz, verehrt als der selbe Kelch, den Jesus Christus während des Heiligen Abendmahls weihte.

Abschließend sei zu Valencia zu sagen, dass die Stadt besonders durch den Kontrast zwischen Altertum und Moderne uns als unvoreingenommene Besucher mehr als nur beeindruckte. Sie stellte sich als spannende, facettenreiche Stadt dar, die mit Sicherheit einen weiteren, etwas längeren Besuch lohnt.

 


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