NEAPEL (ITA)

 

Nach einem Seetag erreichten wir am Montag den Hafen von Neapel, wo wir am Liegeplatz Pier No.5, direkt beim Castel Nuovo anlegten.
Bereits 2006 bei unserer Sternfahrt rund um Sorrent machten wir eine Tagesbesichtigung in Neapel. Deshalb beschlossen wir dieses Mal die Innenstadt auf eigene Faust zu Fuß zu durchstreifen.

Neapel ist nach Rom und Mailand die bevölkerungsreichste Stadt Italiens. Sie ist die Hauptstadt der Region Kampanien und der Provinz Neapel. Das administrativ zur Stadt Neapel gehörende Gebiet hat offiziell etwa 1 Million Einwohner, zusammen mit den Vororten weist sie als Agglomeration über 4,4 Millionen Einwohner auf.
Neapel liegt am nördlichen Rande des Golfs von Neapel, eines Supervulkans mit einem Durchmesser von über 30 Kilometern, der zur Bruchzone auf der tyrrhenischen Seite des Apennin gehört. Die Stadt befindet sich auf etwa halbem Wege zwischen zwei peripheren und aktiven vulkanischen Gebieten dieses Supervulkans, dem Monte Somma/Vesuv und den Campi Flegrei (Phlegräischen Feldern).
Neapel kann auf eine lange und bewegte, in wesentlichen Teilen aber auch von Fremdherrschaft und Unterdrückung geprägte Geschichte zurückblicken.
Neapel wurde vermutlich von Einwohnern der bereits um 750 v. Chr. entstandenen griechischen Kolonie Kyme begründet. Von Kyme (Cumae) aus wurde einige Kilometer entfernt eine weitere Stadt gebildet: Parthenope auf dem heute inmitten Neapels liegenden Hügels Pizzofalcone. Aus dieser Niederlassung Parthenope ging vor 500 v. Chr., wohl durch Erweiterung der "Alten Stadt" (griech. Paläopolis) am Fuße des Berges schließlich die "Neue Stadt" (griech. Neapolis) Neapel hervor.
Schon bald zählte die junge Gründung zu den prosperierendsten Städten der Magna Graecia. Ein mit dem expandierenden Rom 326 v. Chr. geschlossener Bündnisvertrag trug zu einer langen relativen Unabhängigkeit bei. Aber in den römischen Bürgerkriegen (88-82 v. Chr.) stand Neapel auf der falschen Seite und wurde in der Folge unter Sulla als abhängige Provinzstadt dem römischen Imperium einverleibt.
In einem eher regionalen Konflikt (mit Benevent) riefen die Herzöge von Neapel um 835 die sizilianischen Araber aufs Festland. Das Bündnis währte ein halbes Jahrhundert, und Neapel wurde so zu einer Ausgangsbasis für die Ausbreitung des Islam in Italien und seiner für den sensiblen Beobachter bis heute im Süden des Landes wahrnehmbaren kulturellen Einflüsse. Insgesamt waren die letzten anderthalb Jahrhunderte des ersten Jahrtausends für die Stadt von anhaltendem Wohlstand geprägt, gemeinsam mit den Flotten der zeitweise verbündeten Seerepublik Amalfi und des Herzogtums Gaeta beherrschte Neapel noch vor den Venezianern und Genuesen den Seehandel im Mittelmeer.
Im Jahr 1137 fiel Neapel dann nach zähem Widerstand in die Hand der Normannen und wurde Bestandteil des normannischen Königreichs Sizilien.
1194 traten die Staufer unter Heinrich VI. an ihre Stelle, indem sie eine dynastische Schwäche der Normannen ausnutzten und sich in einem kurzem Feldzug Süditaliens bemächtigten. Heinrichs Sohn und Nachfolger Friedrich II. gründete 1224 mit der Universität Neapel, die heute seinen Namen trägt, die erste staatliche Hochschule Europas.
Karl I. von Anjou eroberte das so genannte „Königreich beider Sizilien" als Lehensnehmer des Papstes nach seiner Krönung in Rom 1266, und machten Neapel zur Residenz ihres Königreiches. Auch wenn ihre bis 1442 andauernde Herrschaft innenpolitisch von brutaler Unterdrückung geprägt war, sorgten sie für eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit der Stadt. Neapel wurde in dieser Epoche neben Florenz zum tonangebenden Zentrum auf den Gebieten der Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Architektur in Italien und Europa.
1442 besiegte der aragonesische König Alfonso den letzten Herrscher der Anjou. Unter den Aragonesen wurden die ökonomischen Verbindungen Neapels zur iberischen Halbinsel intensiviert, die Wirtschaft gefördert und die Stadt zu einem Zentrum der italienischen Renaissance. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts schließlich, nach einer nur kurzen Episode französischer Herrschaft, wurden Stadt und Königreich Neapel als Provinz dem spanisch-habsburgischen Weltreich angegliedert. Damit begann die Ära der spanischen Vizekönige von Neapel, unter denen die Stadt den Tiefpunkt ihrer wirtschaftlichen und politischen Entwicklung erreichen sollte.
Innerhalb von nur 100 Jahren war die Bevölkerung der Stadt von rund 40.000 im Jahre 1450 auf etwa 210.000 im Jahre 1550 angewachsen und Neapel war zur größten Stadt Italiens und nach Paris zur zweitgrößten Metropole in Europa geworden.
ozialen Unterschiede größer ausgeprägt als in Neapel.
Die spanischen Habsburger wurden 1707 durch die österreichischen Habsburger abgelöst, für die Neapolitaner änderte sich dadurch nur wenig.
Eine deutliche Verbesserung der Verhältnisse trat erst ein, als die Bourbonen, die infolge des spanischen Erbfolgekrieges 1712 den spanischen Thron erworben hatten, 1735 auch Süditalien von den Österreichern übernahmen.
Im Winter 1805/06 wurde Ferdinand IV. von Napoléon Bonaparte entmachtet, der zunächst seinen Bruder Joseph (1806–1808) und danach seinen Schwager Joachim Murat (1808–1815) als Könige von Neapel einsetzte. Insbesondere letzterer leitete umfangreiche Sozialreformen ein und gelangte so bei der einheimischen Bevölkerung schnell zu großer Beliebtheit.
Mit dem Untergang Napoléons kam jedoch auch bald das Ende dieser Episode. Ferdinand kehrte nach Neapel zurück und führte eine konsequente Restaurationspolitik durch, die auch die letzten Spuren französischer Reformbemühungen beseitigte.
Am 7. September 1860 zog Giuseppe Garibaldi nach der Eroberung Süditaliens unter dem Jubel der Bevölkerung in Neapel ein und am 21. Oktober 1860 stimmten die Neapolitaner in einem Plebiszit mit überwältigender Mehrheit für den Anschluss an das Königreich Italien.
Neapel entwickelte sich zu einer typischen Großstadt des Mezzogiorno, geprägt von Armut, Kriminalität, Schattenwirtschaft und mafiösen Strukturen, die bis in die höchsten politischen und wirtschaftlichen Machtzentren reichen.
Nach der Absetzung und Verhaftung Mussolinis am 25. Juli 1943 wurde Neapel von Wehrmachtstruppen besetzt und die Neapolitaner waren für kurze Zeit dem deutschen Terrorregime ausgesetzt. In zähen Partisanenkämpfen der Resistenza gelang es der Stadt aber, sich aus eigener Kraft noch vor dem Eintreffen der Alliierten am 1. Oktober 1943 selbst zu befreien und die Besatzer aus der Stadt zu vertreiben.
Die anschließende amerikanische Besatzung sorgte für eine kurze Periode des relativen Wohlstands der Stadt. Beim Volksentscheid von 1946 über die künftige Staatsform stimmten die Einwohner Neapels im Gegensatz zur Mehrheit des Landes für die Beibehaltung der Monarchie. Bei der folgenden Konstituierung der italienischen Republik wurde mit Enrico de Nicola ein Neapolitaner zu deren erstem Präsidenten gewählt.
Die Regierung in Rom leitete zwar über die zum Aufbau des Südens gegründete Cassa per il Mezzogiorno ("Kasse für den Süden") Milliarden an Subventionen in die Region, Milliardenbeträge an Fördergeldern versickerten aber auch in dunklen Kanälen oder wurden durch neuerliche Fehlplanungen, welche die bestehenden ökonomischen und infrastrukturellen Bedingungen ignorierten, buchstäblich verschleudert. Neapel erlebte in den ersten viereinhalb Jahrzehnten seiner Nachkriegsgeschichte eine für das Europa der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beispiellose Verquickung von Wirtschaft, Politik und Camorra und der Name der Stadt wurde zum Synonym für Korruption, Bauspekulation und illegale Bereicherung.
Erst im Rahmen des gesamtitalienischen Erneuerungsprozesses ab 1992 änderten sich auch die Verhältnisse in Neapel und die Ära der korrupten Kommunalpolitiker wurde beendet. 1993 wurde Antonio Bassolino zum Bürgermeister gewählt. In seiner bis zum Jahr 2001 währenden Amtszeit erlebte die Stadt einen schnellen und nie für möglich gehaltenen Aufschwung. Die Korruption wurde systematisch bekämpft, der Einfluss der Camorra zumindest eingedämmt. Restaurierungsarbeiten am Stadtbild und Sanierungsmaßnahmen wurden eingeleitet. 1995 wurde das centro storico (Altstadt) von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Unser mehrstündiger Spaziergang durch die Altstadt von Neapel bestätigte uns im ersten Eindruck, den wir 2006 gewonnen hatten. Diese Stadt ist absolut keine Reise wert! Berge von Müll mit dem dazugehörigen Gestank dominieren nur wenige Meter abseits der Touristenpfade das Stadtbild. Auf unseren Europareisen ist uns noch keine schmutzigere Stadt begegnet. Auf nimmer Wiedersehen Napoli!

 


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