ARLES & SAINTES-MARIES DE LA MER (FRA)

 

Am Freitag den 15. Oktober, dem 14. Tag unserer Reise, erreichten wir gegen 8 Uhr Morgen die Pier 163 im Hafen von Marseille. Wir hatten uns von zu Hause für den 9,5 Stunden dauernden und € 69,-/Person kostenden Ausflug mit der Bezeichnung "Arles & Saintes-Maries de la Mer" entschieden. Was wir für diesen Tag allerdings nicht miteingeplant hatten war ein Kälteeinbruch. Trotz strahlendem Sonnenschein verzeichnete das Thermometer lediglich 11 Grad, und zusätzlich blies der vom Norden kommende Mistralwind mit Geschwindigkeiten von 80 km/h.

 

 

ARLES


Nach eineinhalbstündiger Fahrt erreichten wir unser erstes Ziel im Herzen der Provence, die Hauptstadt der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, Arles, westlich der Rhône, 24 km vom Mittelmeer entfernt, gelegen. Zu Arles gehört das Gebiet der gesamten Camargue, wodurch sie mit ca. 760 km⊃2; die flächenmäßig größte Gemeinde Frankreichs ist.
Arles wurde von den Galliern an Stelle des ligurischen Theline gegründet und von Gaius Julius Caesar 46. v. Chr. zur römischen Militärkolonie Colonia Julia Paterna Arelate Sextanorum gemacht.
Der Ort erhob sich bald zu hoher Bedeutung, wetteiferte mit Marseille im Handel und erreichte seine Blütezeit unter Kaiser Konstantin, der Arles vergrößerte, ausschmückte und den Beinamen Constantina gab. 395 wurde sie Hauptstadt Galliens. Im Jahre 402 wurde dann die Praefectura Galliarum, die oberste Behörde des römischen Westreiches, von Trier nach Arles verlegt.
Arles wurde im 3. Jahrhundert Sitz eines Bischofs, im Jahr 400 Sitz eines Erzbischofs. Als Hauptumschlagplatz wurde es in der Folge von Westgoten und Sarazenen mehrmals erobert und zerstört, dennoch behauptete es lange seinen Glanz. Seit 536 zu Frankenreich gehörig, wurde es 879 Hauptstadt des Königreichs Burgund und kam mit diesem 1033 zum Heiligen Römischen Reich. Seit 933 stand die Stadt unter der Herrschaft des Erzbischofs, wurde 1220 unabhängig von ihm und 1237 für nur zwei Jahre Reichsstadt. 1251 unterwarf sich die Stadt Karl von Anjou und fiel 1481 mit der Grafschaft Provence an Frankreich. Der Erzbischof wanderte später nach Aix-en-Provence ab. Arles war bis 1801 Bischofssitz.

Unser Besichtigungsprogramm führte uns vorbei am ältesten Monument der Stadt, dem antiken Theater, zum repräsentativsten Bauwerk, dem Amphitheater. In Form einer Ellipse misst es 136 x 107 Meter, wurde zwischen 1. und 2. Jahrhundert gebaut und konnte 20 bis 30.000 Zuschauer aufnehmen. Es war reserviert für blutige Spiele, Kämpfe von Raubtieren und Gladiatoren. Das Untergeschoß diente zum Abstellen der Raubtierkäfige und für die Maschinerie. Bei den Invasionen der Barbaren befestigt, wurde das Bauwerk stark beschädigt und diente zur Konstruktion der Stadt.
In unserer Zeit füllt sich die Arena für Festlichkeiten, Stierkämpfe und Corridas. Von den oberen Sitzreihen sieht man die Rhone und Camargue.
Auf unserem Weg durch die Innenstadt kamen wir auch am Cafe Vincent van Gogh vorbei. Dieser berühmte Maler war 1888/89 Einwohner der Stadt. Während dieser Zeit portraitierte er Arles und die Umgebung hundertfach. Nachdem der Maler von der Bourgeoisie aus der Stadt faktisch vertrieben wurde, besitzt die Stadt heute kein einziges von seinen Gemälden. Das von ihm bewohnte Haus an der Place-La-Martine (Maison Jaune, „Gelbes Haus“) wurde im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff zerstört.
Durch das Rathaus hindurch erreichten wir schließlich den Place de la Republique, der das Zentrum des Lebens der Stadt ist. 1676 angelegt, umrahmt den Platz im Norden die Kirche Sainte-Anne, im Osten das Rathaus und im Süden die Kirche Saint-Trophime. In der Mitte thront ein Obelisk von ägyptischem Typ, der inmitten eines Brunnen steht, und am Ort des antiken Zirkus ausgegraben wurde.
Hier besichtigten wir die Kirche Saint-Trophime, die nach Änderungen im Lauf der Jahrhunderte zur Kathedrale wurde. Zwei bedeutende Ereignisse haben sie berühmt gemacht: Die Krönung des Kaisers Friedrich Barbarossa (1178), die den Höhepunkt der Republik von Arles bezeichnet und die Heirat von Yolande von Aragon mit Ludwig II. von Anjou 1389.
Das Portal, zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts, ist eines der Meisterwerke der romanischen Kunst. Stark von der Antike beeinflusst, stellt es das Jüngste Gericht dar.

Seit 1981 stehen viele der antiken und romanischen Denkmäler der Stadt auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbe.

 

 

SAINTES-MARIES DE LA MER


Nach etwa einstündiger Busfahrt durch die Camargue erreichten wir unser zweites Tagesziel, die Kleinstadt Saintes-Maries de la Mer.
Dieser Ort ist ein alter Wallfahrtsort, der heute stark durch den Tourismus geprägt wird.
Erwähnt wird Saintes-Maries erstmals im 4. Jahrhundert als Sancta Maria de Ratis. Césaire von Arles vermachte diese Siedlung im Jahre 542 testamentarisch einem Kloster; danach wurde der Ort als Saintes Maries (oder Notre-Dame) de la Barque bezeichnet.
Im 11./12. Jahrhundert wurde eine Wehrkirche errichtet, die noch heute steht, und seit dieser Zeit wurde der Name Notre Dame de la Mer gebräuchlich. 1448 entdeckte man angebliche Reliquien der beiden Heiligen Marie Jacobé und Marie Salomé, die in der Folgezeit zu einem speziellen Marienkult führten. Während der französischen Revolution wurde dieser Kult verboten und die Kirche teilweise zerstört (1873 restauriert).
1838 nahm die Stadt ihren heutigen Namen an. Bis heute finden zwei Wallfahrten nach Saintes-Maries statt, die am 24. Mai und Ende Oktober jedes Jahres zu Ehren der Marie Jacobé und der Marie Salomé abgehalten werden, im Mai zudem auch von Sara, der Schutzheiligen der Gitans (das sind hauptsächlich spanische Roma).
In den 1950er/1960er Jahren wurde Saintes-Maries de la Mer zu einem Geheimtipp der französischen neuen „Bohème", bald auch der europäischen Beatniks, blieb zudem ein religiös bedeutender Ort für die Gitanes.
Wie es Geheimtipps oft ergeht, wuchs die Stadt zwischen 1960 und 1999 von 680 auf ca. 2.500 Einwohner an, und während der Sommermonate beherbergt sie ein Vielfaches davon. Inzwischen arbeitet dort praktisch niemand mehr als Fischer oder Bauer, die Einwohner leben vom Tourismus.

Ein Besuch der Wallfahrtskirche, ein Spaziergang an der Mittelmeerpromenade sowie ein Kaffee in stürmischer Umgebung rundeten den Tag ab.

 

 


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